Ablegerbildung für Einsteiger: So klappt's
Ablegerbildung für Einsteiger: So klappt's
Die Ablegerbildung gehört zu den wichtigsten Fertigkeiten in der Imkerei. Mit ihr vermehrst du nicht nur deine Bienenvölker, sondern sorgst auch für eine natürliche Verjüngung und Schwarmvorbeugung. Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, wie du erfolgreich einen Ableger bildest – vom richtigen Equipment bis zur Pflege des jungen Bienenvolks.
Die richtigen Vorbereitungen treffen
Bevor es mit der eigentlichen Ablegerbildung losgeht, musst du einige wichtige Vorbereitungen treffen. Eine sorgfältige Planung erspart dir später Stress und erhöht die Erfolgsaussichten deines neuen Bienenvolks erheblich.
Das benötigte Material
Für die Ablegerbildung brauchst du folgende Ausrüstung:
- Eine komplette Beute (Boden, Zarge, Innendeckel und Außendeckel)
- Leerwaben oder Rähmchen mit Mittelwänden
- Eine Fluglochverengung zum Schutz des Ablegers
- Futterversorgung (Honigwabe, Futterwabe oder Futtertasche mit Futterteig)
- Königinnenzuchtmaterial (je nach gewählter Methode)
Der richtige Zeitpunkt
Die beste Zeit für die Ablegerbildung ist das späte Frühjahr bis zum Frühsommer, wenn die Bienenvölker bereits gut in Schwung gekommen sind und ausreichend Brut und Bienen vorhanden sind. Achte darauf, dass die Witterung stabil ist und keine Kälteeinbrüche zu erwarten sind.
Die Futterversorgung sicherstellen
Ein Ableger kann sich nur entwickeln, wenn er ausreichend Nahrung zur Verfügung hat. Für die ersten Wochen hast du drei Möglichkeiten zur Futterversorgung:
Für Anfänger empfiehlt sich besonders die Kombination aus einer Honigwabe und einer zusätzlichen Futtertasche. So ist die Grundversorgung gesichert, und du kannst flexibel nachfüttern.
Drei Wege zur neuen Königin
Das Herzstück jedes Ablegers ist eine legefreudige Königin. Bei der Ablegerbildung hast du drei Optionen, um deinem neuen Volk zu einer Königin zu verhelfen:
1. Kauf einer begatteten Königin
Die einfachste, aber auch kostspieligste Variante ist der Kauf einer bereits begatteten Königin von einem Züchter. Diese kommt üblicherweise in einem Zusetzkäfig, der mit Futterteig verschlossen ist. Beim Einsetzen des Käfigs gibt es einen wichtigen Trick:
- Den Plastikverschluss zunächst geschlossen lassen
- Mit einem Zahnstocher eine kleine Öffnung schaffen
- Den Käfig zwischen die Wabengassen hängen – wichtig: mit der Futterteigöffnung leicht nach unten geneigt, damit die Königin nicht im Futterteig verklebt
- Nach etwa einem Tag den Plastikverschluss entfernen, damit die Bienen den Futterteig freifressen können
2. Nachzucht mit schlüpfreifer Weiselzelle
Eine natürlichere Option ist die Verwendung einer schlüpfreifen Weiselzelle. Diese wird vorsichtig zwischen die Wabengassen geklemmt. Nach drei bis vier Tagen solltest du kontrollieren, ob die Königin geschlüpft ist. Diese Methode erfordert etwas mehr Erfahrung, ist aber sehr effektiv und bietet den Vorteil, dass die Königin direkt im Volk schlüpft und dadurch besser akzeptiert wird.
3. Wabe mit bestifteten Schwarmzellen
Die dritte Möglichkeit ist besonders für Anfänger geeignet: Du entnimmst aus einem schwarmwilligen Volk eine Wabe, auf der die Bienen bereits Schwarmzellen angelegt haben. Diese Methode ist naturnah und kostenlos, jedoch bist du auf die Schwarmstimmung eines deiner Völker angewiesen.
Die praktische Durchführung der Ablegerbildung
Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, geht es an die eigentliche Ablegerbildung:
Entnahme der Ablegerwaben
Aus dem Spendervolk entnimmst du:
- 2-3 Brutwaben mit verdeckelter Brut (achte darauf, dass die Königin nicht mit übertragen wird!)
- Eine Futterwabe oder Honigwabe
- Genügend Bienen, die auf den Waben sitzen
Um das Spendervolk nicht zu schwächen, ersetzt du die entnommenen Waben durch Leerwaben oder Rähmchen mit Mittelwänden. So bleibt das Brutnest geschlossen und das Volk kann sich schnell erholen.
Verstärkung mit Jungbienen
Um den Ableger zu stärken, kannst du ihn mit zusätzlichen Jungbienen aus dem Spendervolk verstärken. Jungbienen erkennst du an ihrem noch flauschigen Aussehen. Sie haben noch keinen Orientierungsflug gemacht und werden daher eher beim Ableger bleiben. Wichtig: Vergewissere dich unbedingt, dass sich die Königin nicht unter den hinzugefügten Bienen befindet!
Transport und Aufstellung
Vor dem Transport muss das Flugloch unbedingt geschlossen werden. Idealerweise stellst du den Ableger an einem Standort auf, der mindestens 3 km vom Mutterstock entfernt ist. So verhinderst du, dass die Flugbienen zum Ursprungsvolk zurückkehren. Ist dies nicht möglich, solltest du den Ableger besonders stark mit Jungbienen besetzen.
Am neuen Standort öffnest du das Flugloch wieder und bringst die Fluglochverengung an. Sie schützt das noch schwache Volk vor Räuberei durch andere Bienen.
Die ersten Wochen nach der Ablegerbildung
In den ersten Wochen nach der Ablegerbildung ist regelmäßige Kontrolle wichtig:
- Nach einer Woche: Prüfe, ob die Königin angenommen wurde und ob genügend Futter vorhanden ist.
- Nach zwei bis drei Wochen: Kontrolliere, ob die Königin mit der Eilage begonnen hat. Es sollten nun Eier und junge Larven zu sehen sein.
- Nach vier Wochen: Überprüfe die allgemeine Entwicklung des Volkes und verstärke es bei Bedarf mit weiteren Brutwaben.
Nach dem Auslaufen der ersten Brut ist außerdem eine Varroabehandlung sinnvoll, um das junge Volk gesund zu halten. Eine Sprühbehandlung mit bienenverträglichen Mitteln eignet sich hier besonders gut.
Fazit
Die Ablegerbildung ist eine spannende und lohnende Aufgabe in der Imkerei. Mit der richtigen Vorbereitung und Pflege kann aus deinem Ableger ein starkes, gesundes Volk heranwachsen. Gerade für Anfänger bietet die Ablegerbildung eine wunderbare Möglichkeit, das eigene Wissen zu vertiefen und Erfahrungen zu sammeln.