Drohnen in der Imkerei: Mehr als nur "nutzlose Fresser"

Drohnen in der Imkerei: Mehr als nur "nutzlose Fresser"

Die Bedeutung von Drohnen in der Bienenzucht

Drohnen, die männlichen Bienen, leben saisonal von Frühling bis Spätsommer im Bienenstock. Sie entstehen aus unbefruchteten Eiern der Königin durch Parthenogenese. Dadurch tragen sie nur das genetische Material ihrer Mutter.

Hauptaufgabe: Genetische Vielfalt sichern

Die wichtigste Aufgabe der Drohnen ist die Begattung junger Königinnen aus anderen Völkern. Diese Paarung findet im Flug an speziellen "Drohnensammelplätzen" statt.

Der Effekt ist weitreichend: Die Königin paart sich mit verschiedenen Drohnen, was für genetische Vielfalt sorgt. Diese Vielfalt macht das Bienenvolk widerstandsfähiger gegen Umweltbelastungen und Krankheiten.

An diesen Sammelplätzen treffen sich tausende Drohnen aus verschiedenen Völkern. Diese Orte werden oft jahrelang genutzt und fördern den genetischen Austausch über große Gebiete.

Entwicklung und Besonderheiten

Ein Drohn entwickelt sich in etwa 24 Tagen vom Ei zum erwachsenen Insekt. Das ist länger als bei Arbeiterbienen (21 Tage) und Königinnen (16 Tage).

Drohnen sind größer, kräftiger und haben auffällige Facettenaugen, die oben auf ihrem Kopf zusammenlaufen. Anders als Arbeiterinnen haben sie keinen Stachel und sammeln keine Nahrung. Sie werden von den Arbeiterinnen gefüttert.

Weitere Aufgaben im Bienenvolk

Neben der Fortpflanzung helfen Drohnen vermutlich bei der Wärmeregulierung im Brutnest und beim Nahrungsaustausch im Volk.

Entgegen früherer Annahmen sind Drohnen nicht untätig. Neuere Studien zeigen, dass sie Phasen hoher Aktivität durchlaufen - sei es bei Paarungsflügen oder sozialen Interaktionen.

Drohnen und die Gesundheit des Bienenvolks

Ohne Drohnen würde die Königin nur unbefruchtete Eier legen, was zum Niedergang des Volkes führen würde. Eine gesunde Anzahl Drohnen deutet auf ein starkes Bienenvolk hin.

Bienen ziehen Drohnen nur auf, wenn genügend Nahrung vorhanden ist. Dies ist ein natürlicher Indikator für die Ressourcenlage des Volkes.

Drohnenbrut und Varroamilben

Die längere Entwicklungszeit macht Drohnenbrut besonders anfällig für Varroamilben. Diese Parasiten haben in den verdeckelten Zellen mehr Zeit zur Vermehrung. Imker nutzen diesen Umstand gezielt zur Bekämpfung der Milben.

Der Lebenszyklus der Drohnen

Die Drohnenproduktion ist auf die Schwarmzeit abgestimmt. So finden neue Königinnen genügend Drohnen zur Paarung.

Im Spätsommer kommt es zur "Drohnenschlacht" - die Arbeiterinnen vertreiben die nun überflüssigen Drohnen, um Ressourcen für die Überwinterung zu sparen.

Imkerliche Nutzung der Drohnenbrut

Varroabekämpfung durch Drohnenbrutentnahme

Imker nutzen die Vorliebe der Varroamilben für Drohnenbrut. Bei der Drohnenbrutentnahme platzieren sie spezielle Rähmchen im Brutnest. Die Königin legt dort unbefruchtete Eier ab.

Die befallenen Waben werden vor dem Schlüpfen der Drohnen entfernt, wodurch viele Milben aus dem Volk eliminiert werden.

Der Zeitpunkt ist entscheidend: Die Rähmchen werden im Frühjahr eingesetzt und nach 21-24 Tagen entfernt, wenn die Brut verdeckelt ist. Die befallene Brut wird durch Einfrieren, Zerdrücken oder Verfüttern entsorgt.

Diese Methode unterstützt auch die Schwarmkontrolle, da sie den Wabenbautrieb lenkt.

Effektivität und Praktikabilität

Die Wirksamkeit hängt von der Volksstärke, dem Timing und dem allgemeinen Milbenbefall ab. Für Hobbyimker ist diese Methode oft praktikabel, während kommerzielle Imker zeitsparendere Techniken bevorzugen können.

Drohnen in der Bienenzucht

Ein wichtiges Zuchtziel ist die Varroasensitive Hygiene (VSH) - die Fähigkeit von Bienen, befallene Brut zu erkennen und zu entfernen.

Drohnen eignen sich besonders gut für Zuchtprogramme, da sie als haploide Organismen die Gene ihrer Mutter direkt weitergeben.

Moderne Zuchtmethoden

Moderne Zuchtprogramme nutzen instrumentelle Besamung für präzise Kontrolle. Dabei wird Sperma ausgewählter Drohnen zur künstlichen Besamung junger Königinnen verwendet.

Dies erhöht die Chancen, dass Königinnen die gewünschten Resistenzgene erben.

Fazit: Unverzichtbare Mitglieder des Bienenvolks

Drohnen spielen vielfältige, wesentliche Rollen im Bienenvolk. Sie sind nicht nur für Fortpflanzung und genetische Vielfalt unverzichtbar, sondern unterstützen auch das Mikroklima und helfen indirekt bei der Varroabekämpfung.

Unser Verständnis hat sich gewandelt: von "nutzlosen Fressern" zu wichtigen Mitgliedern des Bienenvolks. Für Imker ist ein tiefes Verständnis der Drohnenbiologie daher entscheidend.

Vergleich der Entwicklungszeiten

Tabelle 1: Entwicklungszeitplan der Honigbienenkasten

Kaste Eistadium (Tage) Larvenstadium (Tage) Puppenstadium (Tage) Gesamtentwicklungszeit (Tage)
Königin 3 5 8 16
Arbeiterin 3 6 12 21
Drohn 3 6 15 24

Merkmalsvergleich der Bienenwesen

Tabelle 2: Vergleich der Merkmale von Königin, Arbeiterin und Drohne

Merkmal Königin Arbeiterin Drohn
Ursprung Befruchtetes Ei Befruchtetes Ei Unbefruchtetes Ei
Ploidie Diploid Diploid Haploid
Fortpflanzungsfähigkeit Legt befruchtete/unbefruchtete Eier Kann unbefruchtete Eier legen Kann Königinnen begatten
Stachel Vorhanden (mit Widerhaken) Vorhanden (mit Widerhaken) Fehlt
Futtersuche Nein Ja Nein
Primäre Rolle(n) Eiablage, Pheromonproduktion Brutpflege, Futtersuche, etc. Begattung von Königinnen
Entwicklungszeit ~16 Tage ~21 Tage ~24 Tage