Frühjahrsentwicklung im Bienenstock: So erweiterst du richtig

Frühjahrsentwicklung im Bienenstock: So erweiterst du richtig

Nach dem Winter erwacht das Bienenvolk zu neuem Leben. Ab Januar/Februar beginnt die Königin - je nach Wetter und Volksstärke - wieder mit der Eiablage. Mit den ersten Pollenquellen im Vorfrühling steigt die Brutnestgröße rapide an.

Jetzt vollzieht sich der Wechsel: Die langlebigen Winterbienen sterben, während immer mehr Jungbienen schlüpfen. Für eine optimale Entwicklung brauchen die Völker vor allem:

  • Genügend Futter
  • Ausreichend Wärme im Nest

Futtervorrat prüfen: Die steigende Brutaufzucht verbraucht viel Energie. Gleichzeitig fehlen noch größere Nektarquellen. Ein Kälteeinbruch kann jederzeit den Flugbetrieb unmöglich machen.

Faustregel: Ein Volk sollte mindestens 5-6 kg Futter haben. Bei Futtermangel muss der Imker rechtzeitig Futterwaben umhängen oder mit Teig nachfüttern.

Wärme halten: Die Brut benötigt etwa 35°C. An kalten Märztagen kann ein kleines Volk diese Temperatur nicht auf zu vielen Waben halten.

Daher gilt: Passe die Größe des Brutraums an die Volksstärke an. Kleine Völker "eng halten" - Brutraum durch Schied oder Entfernen leerer Waben verkleinern. Starke Völker hingegen können mehr Waben bedecken.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Erweiterung?

Das Timing ist entscheidend: Zu früh erweitert bedeutet Wärmeverlust. Zu spät kann Schwarmstimmung auslösen.

Entscheide nach Volksstärke, nicht nach Kalender: Das Volk ist bereit, wenn:

  • Alle Wabengassen gut mit Bienen besetzt sind
  • Auf den meisten Waben Brut zu finden ist
  • In einzargigen Beuten etwa 7-8 von 10 Waben mit Brutnest-Anteil

Höchste Zeit ist es spätestens dann, wenn Bienentrauben am Boden oder vor dem Flugloch hängen (Bienenbart) oder Wildbau entsteht.

Je nach Region und Witterung liegt dieser Zeitpunkt zwischen Mitte März und Mitte April. Ein guter Anhaltspunkt ist die Kirschblüte.

Zweizargig überwinterte Völker: Diese haben im Frühling bereits genug Platz für die Brut. Hier beschränkt sich die "Erweiterung" meist auf:

  • Alten Wabenbau austauschen
  • Honigraum aufsetzen, wenn die Tracht beginnt

Einzargig überwinterte Völker: Diese erreichen bei guter Pflege bis zum Frühjahr eine beachtliche Stärke. Ist die Zarge im März/April bereits voll mit Bienen und Brut, muss eine zweite Brutraum-Zarge hinzugefügt werden.

Dies geschieht meist kurz vor den ersten großen Trachten (Salweiden- oder Kirschblüte).

Dadant und andere Einraum-Beuten: Hier wird nicht mit einer zweiten Zarge erweitert, sondern innerhalb des einen Brutraums. Schrittweise werden weitere Rähmchen mit Mittelwand oder Leerwaben an den Brutnest-Rand gegeben.

Strategien für die Erweiterung

Je nach Beutensystem gibt es verschiedene Vorgehensweisen:

Brutraum mit zweiter Zarge erweitern (Magazine):

  • Klassisch: Neue Zarge oben auf den bestehenden Brutraum stellen. Vorteil: Wärme steigt nach oben.
  • Alternative: Untersetzen - neue Zarge unter den bestehenden Brutraum stellen. Vorteil: Brutnest bleibt warm und wird nicht sofort "verhonigt".

Erweiterung innerhalb eines Brutraums (Einraum-Beute/Dadant):

  • Schrittweise einzelne Waben hinzufügen
  • Schied (Trennwand) nach und nach nach außen versetzen
  • Am vergrößerten Brutnest-Rand neue Mittelwand oder Leerwabe einhängen

Waben und Material:

  • Idealerweise eine Kombination aus Mittelwänden und hellen Leerwaben verwenden
  • Einige ausgebaute Waben ins Zentrum der neuen Brutraumzarge hängen
  • Etwa die Hälfte der neuen Rähmchen mit Mittelwänden bestücken
  • Pro Zarge ein Leerrähmchen als Drohnenrahmen am Rand des Brutnestes einsetzen

Drohnenrahmen und Honigraum vorbereiten:

  • Spätestens zur Kirschblüte (April) erhält ein starkes Volk Absperrgitter und Honigraum
  • Drohnenrahmen am Brutnestrand im oberen Brutraum platzieren
  • Honigraum erst aufsetzen, wenn Temperaturen und Volksstärke stimmen - kurz vor der ersten Massentracht

Häufige Fehler bei der Erweiterung

Zu lange gewartet:

  • Bienen bauen Wildbau in Deckel oder Boden
  • Volk gerät schneller in Schwarmstimmung
  • Überschüssige Ammenbienen können ihren Futtersaft nicht abgeben und fördern den Schwarmdrang
  • Im schlimmsten Fall: Weiselzellen bereits im April

Zu früh und unbedacht erweitert:

  • Niemals kalte Mittelwände mitten ins Brutnest hängen!
  • Keine vollständige Waben-Durchsicht bei kühler Witterung erzwingen
  • Mit der Erweiterung warten, bis Temperaturen über 12-15°C erreichen

Futterversorgung übersehen:

  • Völker können nach der Erweiterung verhungern, besonders bei Kälteeinbrüchen
  • Vor und nach der Erweiterung immer den Futtervorrat kontrollieren
  • Der Bautrieb durch neue Mittelwände erhöht den Futterverbrauch zusätzlich

Ungeduld bei Dadant/Einraum-Beuten:

  • Schrittweise, wabenweise erweitern
  • Hinzugefügte Wabe erst ausbauen lassen, bevor die nächste folgt
  • Zu schnelle Erweiterung führt zu auskühlenden oder unbesetzten Waben

Eine rechtzeitige und korrekte Erweiterung sorgt für starke Völker zur Trachtzeit und hilft, Schwärme zu vermeiden. So steht einem erfolgreichen Start in die neue Bienensaison nichts im Wege!