Der ultimative Spätsommer-Guide: So bringst du deine Bienen sicher durch den Winter

Der ultimative Spätsommer-Guide: So bringst du deine Bienen sicher durch den Winter

Der ultimative Spätsommer-Guide: So bringst du deine Bienen sicher durch den Winter

Der Spätsommer entscheidet über Leben und Tod deiner Bienenvölker. Während du die letzte Honigernte genießt, läuft im Bienenstock ein Wettlauf gegen die Zeit ab. Die Varroamilbe erreicht ihren Höhepunkt, während die Bienenzahl schrumpft – eine tödliche Kombination.

Die Erfahrung zeigt: 80% aller Winterverluste entstehen durch Fehler in der Spätsommerpflege. Die gute Nachricht? Mit dem richtigen Wissen kannst du deine Völker erfolgreich überwintern lassen. Experten der führenden Bieneninstitute haben klare Strategien entwickelt, die funktionieren.

Du lernst hier die drei entscheidenden Schritte: richtige Varroabehandlung, optimale Fütterung und perfekte Wintervorbereitung. Lies weiter, um zu erfahren, wie du bereits ab Juli die Weichen für gesunde Winterbienen stellst.

Inhaltsverzeichnis

Warum der Spätsommer so kritisch ist

Im Spätsommer passiert etwas Dramatisches in deinen Bienenvölkern. Während die Bienenzahl nach dem Sommer natürlich schrumpft, explodiert die Varroamilben-Population regelrecht. Diese Umkehrung wird vielen Völkern zum Verhängnis.

Das eigentliche Problem liegt tiefer: Die Varroamilbe ernährt sich vom Fettkörper der Bienen. Dieser Fettkörper ist für Winterbienen überlebenswichtig – er speichert Energie und stärkt das Immunsystem. Jeder Milbenstich schädigt dieses lebenswichtige Organ direkt.

Deshalb ist der Zeitpunkt so entscheidend. Die Winterbienen, die jetzt heranwachsen, müssen bis April überleben und dann die erste Frühjahrsbrut versorgen. Sind sie bereits geschädigt, schaffen sie das nicht. Das Volk bricht im Winter oder Frühjahr zusammen, obwohl noch genug Futter da ist.

Verstehst du jetzt, warum manche Imker sagen: "Der Winter beginnt im August"?

Schritt 1: Varroabefall richtig messen

Bevor du behandelst, musst du wissen, wie stark deine Völker befallen sind. Moderne Imkerei arbeitet nicht mehr nach starren Kalenderplänen, sondern diagnosegestützt. Das bedeutet: Erst messen, dann entscheiden.

Die Gemülldiagnose – einfach und zuverlässig

Die klassische Methode funktioniert so: Du schiebst eine Bodeneinlage (Windel) für 3-7 Tage in den Gitterboden. Dann zählst du die abgefallenen Milben und teilst durch die Anzahl Tage. So erhältst du den täglichen Milbenfall.

Wichtiger Trick: Bestreiche die Einlage mit etwas Pflanzenöl oder lege ein geöltes Küchentuch darauf. Sonst tragen Ameisen und Ohrwürmer die Milben weg, und dein Ergebnis ist viel zu niedrig.

Die Schadschwellen kennen

Diese Grenzwerte zeigen dir, wann du handeln musst:

  • Juli: Über 10 Milben täglich = sofort behandeln
  • August: Über 5 Milben täglich = sofort behandeln
  • September: Über 5 Milben täglich = nachbehandeln
  • Nach Behandlung: Unter 1 Milbe täglich = Erfolg

Mehr Hintergrundwissen und passende Strategien findest du auf unserer Wissensseite zur Varroabehandlung.

Welche Werte zeigen deine Völker gerade?

Schritt 2: Die besten Behandlungsmethoden

Für die Sommerbehandlung stehen dir verschiedene zugelassene Mittel zur Verfügung. Wichtig: Verwende nur offiziell zugelassene Tierarzneimittel. Selbstgemixte Lösungen sind illegal und gefährlich.

Ameisensäure – der Klassiker für brütende Völker

Ameisensäure ist das Mittel der Wahl im Spätsommer. Als einzige organische Säure wirkt sie auch in die verdeckelte Brut hinein, wo sich die Milben vermehren. Das macht sie so effektiv.

Der Erfolg hängt komplett vom Wetter ab. Optimal sind 15-25°C. Bei über 30°C verdunstet die Säure zu schnell und kann deine Bienen schädigen. Bei zu kühlem Wetter wirkt sie nicht richtig.

Das "Varroawetter" der Bieneninstitute zeigt dir die Erfolgsaussichten für die nächsten Tage an. Plane deine Behandlung nur bei grünem Licht.

Oxalsäure – der Spezialist für brutfreie Zeiten

Oxalsäure wirkt über 95% effektiv, aber nur bei brutfreien Völkern. Sie erreicht die Milben in der verdeckelten Brut nicht. Deshalb ist sie vor allem für die Winterbehandlung oder nach einer Brutentnahme geeignet. Seit 2023 ist in Deutschland erstmals ein Oxalsäuremittel zum Verdampfen zugelassen – Details dazu findest du hier: Oxalsäure verdampfen (Varroxal).

Für das Sprühen gibt es außerdem eine eigene Anleitung: Oxalsäure sprühen.

Seit 2025 sind zudem Oxalsäure-Streifen für die Behandlung in Deutschland zugelassen.

Formic Pro & weitere Mittel

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Anwendung, Dosierung und zum richtigen Zeitpunkt findest du in unserem Formic Pro FAQ.

Die bewährte Reihenfolge: Anfüttern – Behandeln – Auffüttern

Diese Strategie hat sich in der Praxis bewährt:

  • Erst 5 kg Futter geben (Überbrückung nach Honigernte)
  • Dann Varroabehandlung durchführen
  • Anschließend die Hauptfütterung

So vermeidest du, dass das Winterfutter mit dem Behandlungsmittel in Kontakt kommt. Die Bienen müssen auch nicht gleichzeitig den Behandlungsstress und die anstrengende Futterverarbeitung bewältigen. Alles zur optimalen Fütterung findest du im Guide Bienen füttern.

Welche Behandlungsmethode passt zu deiner Situation?

Schritt 3: Richtig für den Winter füttern

Nach der Varroabehandlung folgt die Winterfütterung. Ein Wirtschaftsvolk braucht 15-22 kg Futter, um sicher durch den Winter zu kommen. Lieber 2-3 kg zu viel als zu wenig – Verhungern ist ein häufiger, aber vermeidbarer Verlustgrund. Lies dazu unseren ausführlichen Ratgeber: Bienen füttern – der ultimative Guide.

Die richtige Futtermenge bestimmen

Am zuverlässigsten ist das Wiegen der Beuten. Hebe die Beute hinten an und miss das Gewicht mit einer Federwaage. So weißt du genau, wie viel Futter noch drin ist und wie viel du nachgeben musst.

Als Richtwerte gelten:

  • Zander 1-zargig: 15-18 kg Futter
  • Zander 2-zargig: 18-22 kg Futter
  • Dadant: 18-22 kg Futter

Zuckerwasser oder Fertigsirup?

Zuckerwasser im Verhältnis 3:2 (Zucker:Wasser) ist die günstige Standardlösung. Die Bienen müssen es aber noch umarbeiten, was Energie kostet. Fertigsirup ist teurer, aber für die Bienen leichter zu verarbeiten. Besonders für späte Fütterung ab September ist er schonender.

Räuberei vermeiden

Im trachtarmen Spätsommer kann schon ein Tropfen verschüttetes Futter eine Räuberei auslösen. Halte diese Regeln ein: Nur abends füttern, Fluglöcher verengen, niemals kleckern, bienendichte Futtergeschirre verwenden.

Plane die gesamte Einfütterung bis spätestens Mitte September abzuschließen.

Sind deine Völker bereits ausreichend versorgt?

Schritt 4: Das Winternest vorbereiten

Im Herbst schrumpft das Brutnest. Jetzt musst du die Beuten an die kleinere Volksstärke anpassen. Ziel ist ein "angepasster Brutraum" – die Bienen sitzen nur auf den Waben, die sie auch dicht besetzen können.

Richtig einengen

Je nach Volksstärke überwintern Völker auf 8-12 Waben. Den freigewordenen Raum trennst du mit einem Schied ab. Besonders gut sind isolierte Thermoschiede. Das spart den Bienen Energie beim Heizen und verhindert Schimmelbildung.

Eine gute Isolierung von oben ist entscheidend. Die alte Imkerweisheit "Bienen brauchen keine Isolierung" ist durch moderne Forschung widerlegt. Völker, die energiesparend überwintern, starten vitaler ins Frühjahr.

Mäuseschutz nicht vergessen

Sobald der regelmäßige Flugbetrieb im Oktober endet, kommt das Mäusegitter vor das Flugloch. Mäuse im Stock verursachen enormen Stress und können das ganze Volk zum Absturz bringen. Die Maschenweite sollte 6-8 mm betragen.

Ist dein Winternest bereits optimal eingerichtet?

Die 5 häufigsten Fehler vermeiden

Die meisten Winterverluste sind vermeidbar. Diese Fehler passieren immer wieder und kosten viele Völker das Leben.

Fehler 1: Zu späte Varroabehandlung

Wenn die Winterbienen bereits in einem stark befallenen Volk herangewachsen sind, ist ihr Fettkörper geschädigt. Eine spätere Behandlung rettet sie nicht mehr. Beginne spätestens im August mit der Diagnose. Alles Wichtige dazu: Varroabehandlung.

Fehler 2: Verfälschte Diagnose

Ameisen und Ohrwürger fressen die toten Milben von der Windel. Ohne Schutz (Öl oder Vaseline) sind deine Messwerte viel zu niedrig. Du wiegst dich in falscher Sicherheit.

Fehler 3: Reinvasion übersehen

Nach einer erfolgreichen Behandlung können neue Milben von zusammenbrechenden Nachbarvölkern eingetragen werden. Kontrolliere den Milbenfall bis in den Herbst regelmäßig.

Fehler 4: Falsche Fütterungsstrategie

Zu frühe Massenfütterung blockiert das Brutnest. Zu späte Fütterung belastet die Winterbienen. Zu wenig Futter führt zum Verhungern. Halte dich an die bewährte Reihenfolge und die Hinweise in Bienen füttern.

Fehler 5: Keine Erfolgskontrolle

2-3 Wochen nach der Behandlung musst du kontrollieren, ob sie gewirkt hat. Ziel: unter 1 Milbe pro Tag. Ohne diese Kontrolle imkerst du blind.

Die meisten dieser Fehler erkennst du erst im nächsten Frühjahr – dann ist es zu spät. Welchen dieser Fehler willst du dieses Jahr vermeiden?

Fazit: Deine Bienen sicher durch den Winter bringen

Die Spätsommerpflege entscheidet über den Erfolg deiner Imkerei. Mit der richtigen Diagnose, passenden Behandlung und optimalen Fütterung schaffst du die Grundlage für starke Völker im nächsten Jahr.

Beginne jetzt mit der Varroakontrolle. Miss den Befall in deinen Völkern und handle nach den Schadschwellen. Verwende nur zugelassene Behandlungsmittel und kontrolliere den Erfolg. Füttere ausreichend und bereite das Winternest vor.