Biene auf Sonnenblume

Wanderimkerei für Spättracht: So erntest du wertvollen Buchweizen- und Sonnenblumenhonig

Wanderimkerei für Spättracht: So erntest du wertvollen Buchweizen- und Sonnenblumenhonig

Der Spätsommer bietet dir als Imker eine goldene Chance: Während andere bereits ihre Völker für den Winter vorbereiten, kannst du noch wertvollen Sortenhonig ernten.

Buchweizen und Sonnenblumen blühen genau dann, wenn das "Sommerloch" in der Nektarversorgung entsteht. Studien der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zeigen: Bei richtiger Völkerführung stärken Spättrachten deine Bienen sogar für den Winter.

Du lernst hier, wie du erfolgreich wanderst, Risiken vermeidest und einzigartige Honigspezialitäten gewinnst. Lies weiter, um die Geheimnisse der profitablen Spättrachtnutzung zu entdecken.

Inhaltsverzeichnis

Warum Spättracht deine Völker stärkt statt schwächt

Viele Imker fürchten die Spättracht. Sie glauben, späte Trachten würden ihre Bienen zu lange brüten lassen und die Varroamilben explodieren lassen. Diese Sorge ist verständlich, aber unbegründet - wenn du es richtig machst.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau hat mehrere Jahre lang untersucht, was wirklich passiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Völker, die vor der Spättracht gründlich gegen Varroa behandelt wurden, überwinterten sogar besser als andere. Der Grund ist einfach - die Bienen bekommen perfektes Winterfutter und können starke Winterbienen aufziehen.

Das Problem liegt nicht in der späten Tracht selbst. Es liegt in der Kombination aus später Tracht und hohem Varroabefall. Behandelst du deine Völker rechtzeitig im Juli oder Anfang August, verwandelt sich das vermeintliche Risiko in einen echten Vorteil.

Der doppelte Nutzen für dich als Imker

Spättrachten bringen dir zwei große Vorteile. Erstens erntest du wertvollen Sortenhonig, der oft höhere Preise erzielt als normaler Blütenhonig. Zweitens sparst du Geld bei der Winterfütterung, weil deine Bienen sich selbst versorgen.

Ein erfahrener Wanderimker berichtet: Seine Völker auf Buchweizenfeldern wintern perfekt aus. Sie brauchen kaum zusätzliches Futter und starten stark in die neue Saison.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie viel Zuckerfutter du dir sparen könntest?

Buchweizen: Der genügsame Nektarspender im Portrait

Buchweizen ist dein bester Freund unter den Spättrachtpflanzen. Er stellt keine hohen Ansprüche und wird praktisch nie gespritzt. Das macht ihn zur idealen "Low-Risk, High-Reward"-Tracht für Wanderimker.

Warum Buchweizen so imkerfreundlich ist

Diese unscheinbare Pflanze aus der Familie der Knöterichgewächse hat einen riesigen Vorteil: Sie wächst am besten auf mageren, sandigen Böden. Genau dort, wo normale Feldfrüchte schlecht gedeihen, blüht Buchweizen prächtig. Für dich bedeutet das: Du findest oft gerade auf den landwirtschaftlich weniger wertvollen Flächen die besten Trachtquellen.

Das Honigpotenzial ist gigantisch

Mit bis zu 500 Kilogramm Honig pro Hektar übertrifft Buchweizen sogar Raps. Seine Blütezeit von Juli bis Oktober gibt dir einen langen Zeitraum für die Ernte. Aber Achtung: Der Nektarfluss folgt einem klaren Rhythmus.

Die Blüten sondern ihren Nektar hauptsächlich morgens ab. Gegen 7 Uhr ist das Maximum erreicht, am Nachmittag ist schon wieder Schluss. Das bedeutet für dich: Erkunde potenzielle Buchweizenfelder nur am Vormittag! Kommst du nachmittags, siehst du keinen Bienenflug und denkst fälschlicherweise, das Feld "honigt" nicht.

Zur optimalen Bestäubung solltest du 3 bis 5 Völker pro Hektar aufstellen. Wichtig ist die Nähe: Schon bei 500 Metern Entfernung fällt der Ertrag deutlich ab. Bei über 1.500 Metern bricht er dramatisch ein.

Kennst du schon Buchweizenfelder in deiner Umgebung?

Sonnenblume: Die anspruchsvolle Spätsommer-Königin

Sonnenblumen sind deutlich anspruchsvoller als Buchweizen. Hier musst du als Wanderimker viel mehr aufpassen und gründlich recherchieren, bevor du deine Völker aufstellst.

Die Sortenfrage entscheidet über Erfolg oder Misserfolg

Das größte Risiko bei Sonnenblumen sind die modernen Hybridsorten. Viele sind gezielt pollenarm oder sogar pollenfrei gezüchtet. Der Grund: Verbraucher stören sich am gelben Pollenstaub auf Tischdecken und Kleidung. Für deine Bienen sind solche Felder eine ökologische Wüste.

Deshalb ist das Gespräch mit dem Landwirt unerlässlich. Du musst vorab klären: Welche Sorte wird angebaut? Ist sie bienenfreundlich? Blind in eine Sonnenblumen-Monokultur zu wandern, ist Glücksspiel.

Höhere Risiken beim Pflanzenschutz

Sonnenblumen sind anfälliger für Pilzkrankheiten und Schädlinge als der robuste Buchweizen. Fungizide und Insektizide kommen häufiger zum Einsatz. Auch spezielle Herbizide für herbizid-tolerante Sorten werden eingesetzt.

Die gute Nachricht: Bei richtiger Sorte ist das Ertragspotenzial attraktiv. Mit etwa 35-38 Kilogramm Honig pro Hektar liegt es zwar unter dem von Buchweizen, aber der Honig hat seine eigenen Qualitäten. Der Nektar ist extrem zuckerreich - zwischen 30% und 50%, in warmen Gebieten sogar bis 60%.

Für die Bestäubung empfehlen sich 4 bis 5 Völker pro Hektar. Auch hier ist die Nähe entscheidend: Bienen befliegen Sonnenblumenfelder intensiv bis etwa 250 Meter Entfernung.

Welche Landwirte in deiner Umgebung bauen bienenfreundliche Sonnenblumen an?

Rechtliche Grundlagen für deine Wanderung

Deutschland: Das passbasierte System

In Deutschland löst das Verstellen deiner Völker den bürokratischen Prozess aus. Das zentrale Dokument ist das Gesundheitszeugnis vom Veterinäramt. Du brauchst es für jede Wanderung über die Grenzen des Zuständigkeitsbereichs deines Heimat-Veterinäramtes hinaus.

Das Zeugnis ist maximal neun Monate gültig und darf nicht vor dem 1. September des Vorjahres ausgestellt sein. Das ist praktisch: Mit einem im Herbst ausgestellten Zeugnis kannst du die ganze folgende Saison wandern. Zusätzlich musst du jede Wanderung dem neuen Veterinäramt melden und eine Kopie des Zeugnisses vorlegen.

Österreich: Das residenzbasierte System

In Österreich liegt die Zuständigkeit bei den Bundesländern. Jeder Imker und jeder Bienenstand muss im Veterinärinformationssystem (VIS) registriert sein. Jede Standortänderung musst du binnen 7 Tagen melden.

Je nach Bundesland kommen weitere Anforderungen dazu. In Niederösterreich brauchst du eine "Wanderkarte" und musst den Bürgermeister der Zielgemeinde mindestens fünf Tage vorher informieren. Auch die Mindestabstände zu anderen Bienenständen sind oft strenger geregelt.

Die richtige Völkerführung für Spättracht

Der Erfolg deiner Spättrachtnutzung hängt von der richtigen Reihenfolge ab. Diese Sequenz ist nicht verhandelbar: Erst Varroabehandlung, dann Spättracht, dann Restentmilbung.

Das perfekte Timing für die Varroabehandlung

Unmittelbar nach der letzten Sommertracht – also bevor deine Bienen in die Spättracht starten – musst du die Haupt-Varroabehandlung durchführen. Meist geschieht das im Juli oder Anfang August. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Nur so wächst die Generation der Winterbienen in einer möglichst milbenarmen Umgebung auf.

Besonders bewährt hat sich hier die Behandlung mit Ameisensäure, zum Beispiel über einen Langzeitverdunster wie den Nassenheider oder Liebig-Dispenser. Diese Methode wirkt auch in die verdeckelte Brut und reduziert den Milbendruck nachhaltig. Beachte dabei, dass während der Behandlung keine Honigräume aufgesetzt sein dürfen.

Wichtig ist: Warte mit der Behandlung nicht zu lange. Schon ab Mitte August beginnt die Aufzucht der Winterbienen – und jede Milbe, die sich dann noch in der Brut vermehrt, kann bleibenden Schaden anrichten. Befallene Puppen entwickeln sich oft zu Bienen mit geschädigten Fettkörpern und stark verkürzter Lebensdauer. Eine späte Behandlung im Herbst kann das nicht mehr rückgängig machen.

Nach dem Ende der Spättracht – meist im Oktober – schließt du die Wintervorbereitung mit einer Restentmilbung ab. So startest du mit gesunden und weitgehend milbenfreien Völkern ins neue Jahr.

Realistische Ertragserwartungen

Lass dich nicht von den theoretischen Honigpotenzialen blenden. Die Bienen priorisieren immer ihre eigenen Bedürfnisse: Brutversorgung und Wintervorrat. Der erntefähige Honig ist nur der Überschuss.

Die primäre Funktion einer Spättrachtnutzung sollte immer die Sicherung von hochwertigem Winterfutter sein. Jeder geerntete Liter Honig ist ein willkommener Bonus, aber nicht das Hauptziel. Ein erfahrener Imker berichtet: In einem guten Sonnenblumenjahr erntete er nur 5 Kilogramm pro Volk - weil die Bienen den Rest als perfekten Wintervorrat einlagerten.

Wie viel Winterfutter könntest du dir durch eine erfolgreiche Spättracht sparen?

So schmecken Buchweizen- und Sonnenblumenhonig

Beide Spättrachtenhonige haben völlig unterschiedliche Charaktere. Während Buchweizenhonig polarisiert, kommt Sonnenblumenhonig bei fast allen Kunden gut an.

Buchweizenhonig: Kräftig und unverwechselbar

Buchweizenhonig ist definitiv ein Honig für Liebhaber. Seine Farbe reicht von tiefem Dunkelbraun bis fast Schwarz. Der Geruch ist intensiv, würzig und wird oft als "rustikal" oder erdig beschrieben. Frisch geerntet kann er sogar streng riechen - das verliert sich aber bei der Lagerung.

Geschmacklich ist er ebenso unverwechselbar: malzig, leicht herb, wenig süß mit langem Abgang. Er ist reich an Mineralstoffen wie Eisen und Magnesium sowie an wertvollen Antioxidantien. Ihm werden viele gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben.

Sonnenblumenhonig: Mild und cremig

Sonnenblumenhonig ist das komplette Gegenteil. Seine leuchtend gelbe Farbe erinnert an die Sonnenblumenblüten. Er duftet angenehm fruchtig und blumig, schmeckt mild-aromatisch mit einer feinen, frischen Säure.

Seine größte Stärke ist die Konsistenz. Wegen seines hohen Glukose-Anteils kristallisiert er sehr schnell, aber feinkristallin. Das macht ihn zum idealen Kandidaten für cremigen Honig. Durch kontrolliertes Rühren bei kühlen Temperaturen entsteht eine samtige Konsistenz, die Kunden lieben.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau hat umfassend zu den Auswirkungen von Spättrachten geforscht und bestätigt deren Nutzen bei richtiger Völkerführung.

Welcher der beiden Honigtypen würde besser zu deiner Kundschaft passen?

Fazit: Deine Chance auf wertvollen Spätsommerhonig

Spättrachten sind keine Gefahr für deine Völker - sie sind eine Chance. Mit der richtigen Völkerführung und gründlicher Vorbereitung erntest du nicht nur wertvollen Sortenhonig, sondern stärkst deine Bienen für den Winter. Der Schlüssel liegt im perfekten Timing: Erst Varroabehandlung, dann Spättracht, dann Restentmilbung.

Starte jetzt mit der Planung für die nächste Saison. Erkunde potenzielle Buchweizen- und Sonnenblumenfelder in deiner Umgebung, kläre die rechtlichen Anforderungen und baue Kontakte zu Landwirten auf.