Propolis – das Kittharz der Bienen und seine Anwendung

Propolis – das Kittharz der Bienen und seine Anwendung

Propolis (auch Bienenharz oder Kittharz genannt) ist eine harzartige Masse, die von Honigbienen hergestellt wird. Das Bienenvolk sammelt dafür klebrige Harze vor allem aus den Knospen und Rindenverletzungen bestimmter Bäume in der Umgebung.

In unseren Breiten dienen den Bienen besonders Pappeln als Hauptquelle, daneben auch andere Laubbäume wie Birke, Erle, Kastanie oder Fichte. Die Bienen vermischen das gesammelte Harz mit etwas Wachs und ihrem Speichelsekret, sodass eine knetbare Masse entsteht. Dieses Material verwenden sie im Stock für verschiedene Zwecke.

Wofür nutzen die Bienen Propolis im Bienenstock?

Im Bienenstock herrschen durch das enge Zusammenleben bei ca. 35 °C ideale Bedingungen für Keime. Propolis dient den Bienen hier als natürliches Schutzmittel.

Sie kitten kleine Ritzen und Spalten in der Beute damit vollständig zu, um Zugluft, Feuchtigkeit und Eindringlinge fernzuhalten. Auch den Fluglochbereich verkleinern und desinfizieren sie mit Propolis – man spricht vom "Propolis-Teppich" am Eingang, der als eine Art Desinfektionsschleuse fungiert.

Zudem überziehen die Bienen Wände und Wabenoberflächen dünn mit dem Harz. Diese Schicht wirkt antibakteriell und trägt zur Hygiene im Brutnest bei.

Selbst größere Eindringlinge, die die Bienen nicht abtransportieren können (etwa eine Maus, die im Kasten verendet), werden mit Propolis überzogen und so mumifiziert. Auf diese Weise wird die Verwesung verlangsamt und Krankheitserreger bleiben eingeschlossen – ein beeindruckendes Beispiel für die Wirkkraft des Kittharzes.

Propolis in der Geschichte

Die besondere Wirkung von Propolis ist der Menschheit schon lange bekannt. Bereits im Altertum nutzten verschiedene Kulturen das Bienenharz: So wurde es im alten Ägypten zum Einbalsamieren (Mumifizierung) verwendet.

Auch die Griechen und Römer schätzten Propolis als Heilsubstanz. Der griechische Arzt Hippokrates (5. Jh. v. Chr.) soll es zur Behandlung von Wunden und Geschwüren empfohlen haben.

Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter, erwähnte Propolis in seinen Schriften und prägte sinngemäß den Satz: "Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit."

Im Mittelalter fand Propolis ebenfalls Verwendung in der Volksheilkunde, etwa zur Wundversorgung und als natürliches Antibiotikum. Diese lange Geschichte unterstreicht den Ruf von Propolis als wertvolles Naturprodukt.

Gewinnung von Propolis durch den Imker

Für uns Imker stellt sich die Frage, wie wir Propolis aus dem Bienenvolk ernten können. Grundsätzlich produzieren starke Bienenvölker jährlich einige zehn bis wenige hundert Gramm Propolis.

Einen Teil davon findet man als bräunliche, klebrige Verkittungen an Rähmchen, Deckeln und Beutenteilen. Diese Propolisreste kann man vorsichtig mit dem Stockmeißel abschaben. Wichtig ist, möglichst sauberes Rohpropolis zu gewinnen, das frei von Holzsplittern und Wachsresten ist.

Eine moderne und effektive Methode ist der Einsatz eines Propolisgitters: Dabei legt man ein spezielles Kunststoffgitter mit feinen Maschen in den Bienenstock ein. Die Bienen sehen das Gitter als Fremdkörper an und verkitten die offenen Zwischenräume eifrig mit Propolis.

Nach einigen Wochen kann der Imker das Gitter entnehmen. Legt man es kurz in den Gefrierschrank, wird das Harz spröde und lässt sich durch leichtes Biegen des Gitters in Stücken herauslösen. Auf diese Weise erhält man relativ reines Propolismaterial.

Sowohl durch Abkratzen als auch mit dem Gitter gesammeltes Propolis bezeichnet man als Rohpropolis, das die Basis für weitere Verarbeitungsschritte bildet.

Verarbeitung: Von Rohpropolis zur Propolis-Tinktur

Eine beliebte Darreichungsform ist die Propolis-Tinktur, ein alkoholischer Auszug des Rohpropolis. Zur Herstellung einer solchen Tinktur sollten nur sauber gereinigte Propolis-Stückchen verwendet werden.

Bewährt hat sich, das Rohpropolis zunächst zu zerkleinern – am besten im tiefgekühlten Zustand, damit es brüchig ist und sich in einer Kaffeemühle oder mit Mörser leicht zu Pulver mahlen lässt.

Anschließend gibt man das Propolispulver in ein dunkles Schraubglas und übergießt es mit hochprozentigem Trinkalkohol (Empfehlung: ca. 70 % Ethanol, z.B. Weingeist aus der Apotheke). Das Mischungsverhältnis kann je nach gewünschter Konzentration gewählt werden; oft werden etwa 10–30 g Propolis pro 100 ml Alkohol angesetzt.

Nun wird das Gefäß verschlossen und für sechs Wochen oder länger bei Zimmertemperatur stehen gelassen. Gelegentliches Schütteln hilft, die Inhaltsstoffe besser zu lösen.

Nach der Ziehzeit hat sich das meiste Propolis im Alkohol gelöst – übrig bleiben Wachs und Unreinheiten. Die Tinktur wird nun durch einen Kaffeefilter oder ein feines Tuch in eine saubere Braunglasflasche abgeseiht.

Übrig bleibt die fertige Propolis-Tinktur, die meist eine dunkelbraune Farbe und einen aromatischen Harzgeruch aufweist. Luftdicht verschlossen und dunkel gelagert, ist sie in der Regel mindestens ein Jahr haltbar.

Anwendungsmöglichkeiten der Propolis-Tinktur

Propolis wird zwar nicht als Arzneimittel anerkannt, doch in der Naturheilkunde und Hausapotheke hat sich das Kittharz einen festen Platz erobert. Viele Imker und Anwender schätzen die Tinktur für verschiedene Zwecke im Alltag.

Häufig wird sie zur Wunddesinfektion und Unterstützung der Heilung kleinerer Verletzungen genutzt: Ein bis zwei Tropfen Propolis-Tinktur auf der gereinigten Wunde können helfen, Bakterien fernzuhalten.

Auch bei Halsentzündungen oder Halsschmerzen verwenden manche die Tinktur – zum Beispiel verdünnt als Gurgellösung oder indem sie ein paar Tropfen in Honig einnehmen. Dank der antibakteriellen und antiviralen Eigenschaften gilt Propolis traditionell als Mittel zur Vorbeugung in der Erkältungszeit.

Äußerlich kann Propolislösung auf Pickelchen oder kleinere Hautprobleme getupft werden, um die Haut zu beruhigen. Selbst in der Tierpflege (etwa bei kleinen Verletzungen von Haustieren) wird es mitunter eingesetzt.

Wichtig ist dabei immer zu beachten, dass Propolis ein Naturstoff ist, der bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslösen kann. Jeder sollte die Anwendung daher zunächst vorsichtig ausprobieren.

Wichtiger rechtlicher Hinweis: Imker dürfen in Deutschland Propolis und daraus hergestellte Produkte nur eingeschränkt verkaufen. Rein rechtlich gilt Propolis in höherer Verarbeitung als Arzneimittel, sofern Heilversprechen damit verbunden sind.

Eigene Propolis-Tinkturen, -Salben oder -Extrakte dürfen nicht ohne Weiteres als Heilmittel in den Verkehr gebracht werden. Erlaubt ist für uns Imker lediglich der Verkauf von Rohpropolis (z.B. in Form von Propolis-Stücken oder -Pulver), damit Käufer sich daraus selbst etwas herstellen können.

Wer Propolis-Produkte mit medizinischer Wirkung anbieten möchte, benötigt dafür eine spezielle Zulassung oder muss mit Apotheken zusammenarbeiten. Als Imker im Hobby- oder Nebenerwerb sollte man also keine gesundheitsbezogenen Versprechen für Propolis machen – so bleibt man auf der sicheren Seite des Gesetzes.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Propolis für uns Imker ein sehr interessantes Bienenprodukt ist. Es lohnt sich, dieses „Bienenkitt" zu ernten und für den Eigengebrauch zu nutzen.

Propolis verbindet auf wunderbare Weise die Welt der Bienen mit der Volksheilkunde. Dennoch gilt es, verantwortungsvoll damit umzugehen und die rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten.

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