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So findest du die perfekte Belegstelle für deine Königinnenzucht

So findest du die perfekte Belegstelle für deine Königinnenzucht

Du möchtest endlich selbst Bienenköniginnen züchten und suchst die richtige Belegstelle? Die Wahl der Belegstelle entscheidet über den Erfolg deiner Zucht - von der Sanftmut bis zur Honigleistung deiner Völker. 

In diesem Artikel erfährst du, worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt. Du lernst die drei wichtigsten Qualitätskriterien kennen und bekommst eine praktische Checkliste für deine Entscheidung. Lies weiter, um zu erfahren, wie du die beste Belegstelle für deine Zuchtziele findest.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Belegstelle und warum brauchst du sie?

Eine Belegstelle ist ein isolierter Ort, wo deine jungen Königinnen sicher begattet werden. Dort stehen viele starke Drohnenvölker einer bestimmten Zuchtlinie bereit. Ohne Belegstelle paart sich deine Königin mit beliebigen Drohnen aus der Umgebung - und du hast keine Kontrolle über die Eigenschaften der Nachkommen.

Stell dir vor: Du züchtest sanfte Bienen, aber die Königin paart sich mit Drohnen aggressiver Völker. Das Ergebnis sind stechlustige Nachkommen, die deine ganze Zuchtarbeit zunichte machen. Genau das verhindert eine gute Belegstelle durch kontrollierte Paarung.

Der Übergang von der einfachen Bienenhaltung zur Zucht ist ein wichtiger Schritt. Mit der richtigen Belegstelle wird aus deinem Hobby eine erfolgreiche Zucht mit planbaren Ergebnissen.

Wie funktioniert eine Belegstelle?

Du bringst deine unbegatteten Königinnen in kleinen Kästchen zur Belegstelle. Dort fliegen sie sich mit den Drohnen der aufgestellten Zuchtlinie. Nach zwei bis drei Wochen holst du begattete, eierlegende Königinnen ab. So einfach ist das Prinzip - aber die Qualität macht den Unterschied.

Welche Kriterien sind für dich als Züchter wirklich wichtig?

Die drei Typen von Belegstellen im Vergleich

Nicht alle Belegstellen sind gleich gut isoliert. Je nach Lage gibt es drei Haupttypen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Die Wahl des richtigen Typs hängt von deinen Zuchtzielen und deinem Budget ab.

Landbelegstellen: Günstig aber weniger sicher

Landbelegstellen sind die häufigsten und günstigsten Belegstellen. Sie liegen im Binnenland und sind durch einen Schutzkreis von meist 7-10 Kilometern geschützt. In diesem Bereich dürfen keine fremden Bienenvölker stehen. Die Paarungssicherheit hängt davon ab, wie gut dieser Schutzkreis überwacht wird.

Der große Vorteil: Du erreichst sie leicht mit dem Auto und die Kosten sind niedrig. Für die Zucht von Wirtschaftsköniginnen sind sie völlig ausreichend.

Inselbelegstellen: Maximale Sicherheit zu höheren Kosten

Inselbelegstellen auf Nord- oder Ostseeinseln bieten die höchste Paarungssicherheit. Das Wasser verhindert den Zuflug fremder Drohnen fast zu 100 Prozent. Jährlich werden allein in Deutschland etwa 10.000 Königinnen auf Inselbelegstellen begattet.

Der Nachteil: Die Anreise ist aufwendig und teuer. Fährkosten und Insel-Logistik treiben den Preis nach oben. Dafür bekommst du genetisch reine Königinnen.

Hochgebirgsbelegstellen: Bergige Isolation

Hochgebirgsbelegstellen nutzen die Berge als natürliche Barriere. Sie liegen in abgeschiedenen Hochtälern, umgeben von hohen Gipfeln. Die Paarungssicherheit ist oft genauso hoch wie auf Inseln. Die Zufahrt kann schwierig sein und erfordert manchmal spezielle Genehmigungen.

Diese Belegstellen findest du hauptsächlich in den Alpen. Sie sind ideal für anspruchsvolle Zuchtprogramme wie die Varroatoleranz-Zucht.

Welcher Typ passt zu deinen Zuchtzielen und deinem Budget?

Genetik richtig bewerten: Zuchtwerte verstehen

Die Genetik der Drohnenvölker bestimmt die Qualität deiner Nachzucht. Moderne Züchter verlassen sich nicht mehr auf Bauchgefühl, sondern auf messbare Zuchtwerte. Diese Zahlen zeigen dir das genetische Potenzial einer Zuchtlinie.

Was sind Zuchtwerte?

Ein Zuchtwert ist wie eine Schulnote für bestimmte Eigenschaften. Der Wert 100 bedeutet Durchschnitt der Population. Ein Wert von 115 bedeutet: Diese Linie ist 15 Prozent besser als der Durchschnitt. Werte über 100 sind immer gut, Werte unter 100 zeigen Schwächen an.

Die wichtigsten Zuchtwerte für dich sind:

  • HO (Honigertrag): Wie viel Honig sammeln die Bienen?
  • SA (Sanftmut): Wie friedlich sind die Bienen bei der Arbeit?
  • SN (Schwarmneigung): Wie schwarmträge sind die Völker?
  • VA (Varroa-Index): Wie gut kommen die Bienen mit Milben zurecht?

Wo findest du die Zuchtwerte?

Seriöse Belegstellen veröffentlichen die Zuchtwerte ihrer Drohnenlinien auf ihren Webseiten. Die zentrale Datenbank für Deutschland ist BeeBreed vom Länderinstitut für Bienenkunde. Hier findest du objektive, wissenschaftlich ermittelte Zuchtwerte.

Achte besonders auf den Varroa-Index. Die Milbenresistenz ist heute das wichtigste Zuchtziel. Völker mit hohen VA-Werten brauchen weniger Behandlungen gegen Varroa.

Welche Eigenschaften sind für deine Imkerei am wichtigsten?

Isolation und Paarungssicherheit prüfen

Die beste Genetik nützt nichts, wenn fremde Drohnen die Paarung stören. Deshalb ist die Isolation der Belegstelle entscheidend. Sie bestimmt, wie sicher deine Königinnen mit den gewünschten Drohnen gepaart werden.

Der gesetzliche Schutzkreis

In Deutschland und Österreich sind Belegstellen gesetzlich geschützt. Um eine anerkannte Belegstelle liegt ein Schutzkreis von meist 7-10 Kilometern. In diesem Bereich dürfen keine fremden Bienenvölker stehen. Verstöße können mit bis zu 4.000 Euro Bußgeld bestraft werden.

Aber Achtung: Ein großer Schutzkreis auf dem Papier bedeutet nicht automatisch hohe Sicherheit. In dicht besiedelten Gebieten ist die Kontrolle schwieriger als in abgelegenen Tälern.

Wie wird die Paarungssicherheit kontrolliert?

Moderne Belegstellen lassen ihre Paarungssicherheit wissenschaftlich prüfen. Dabei werden Arbeiterinnen aus der Nachzucht untersucht. Morphometrische Messungen zeigen, ob alle Drohnen zur gewünschten Rasse gehören. DNA-Analysen können sogar einzelne Vaterschaften nachweisen.

Wie aktiv überwacht deine Wunsch-Belegstelle den Schutzkreis?

Hygiene-Standards und Seuchenprävention

Auf Belegstellen treffen Bienen aus vielen Betrieben aufeinander. Das erhöht das Risiko für Krankheiten wie die Amerikanische Faulbrut. Strenge Hygieneregeln schützen deine Völker und alle anderen Teilnehmer.

Das Gesundheitszeugnis ist Pflicht

Für fast alle Belegstellen brauchst du ein amtliches Gesundheitszeugnis. Es bescheinigt, dass deine Völker frei von Amerikanischer Faulbrut sind. Die Ausstellung dauert mehrere Wochen und kostet etwa 50-100 Euro. Plane das rechtzeitig in deinen Zuchtzeitplan ein.

Das Zeugnis ist maximal neun Monate gültig. Beantrage es beim zuständigen Veterinäramt spätestens vier Wochen vor der Belegstelle.

Anforderungen an deine Begattungskästchen

Deine Begattungseinheiten müssen strenge Auflagen erfüllen. Absolut drohnenfrei müssen sie sein - ein einziger Drohn führt zur Zurückweisung. Als Futter ist nur Zuckersirup oder Futterteig erlaubt, niemals Honig wegen der Seuchengefahr.

Jedes Kästchen muss wetterfest mit deinem Namen und deiner Adresse beschriftet sein. Die Völkchen brauchen ausreichend Bienen, um die Königin zu versorgen.

Informiere dich über die spezifischen Anforderungen deiner Wunsch-Belegstelle. Die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht hat strenge aber faire Standards entwickelt.

Praktische Auswahl: Deine Checkliste

Jetzt kennst du die Theorie. Für die praktische Auswahl brauchst du eine systematische Herangehensweise. Diese Checkliste hilft dir bei der Entscheidung für die richtige Belegstelle.

Deine Auswahl-Checkliste

Beantworte diese Fragen für jede Belegstelle:

  • Passt die Rasse zu meinen Zielen? Carnica, Buckfast oder Dunkle Biene?
  • Wie hoch sind die Zuchtwerte? Besonders für Varroa-Toleranz und Sanftmut?
  • Wie sicher ist die Isolation? Insel, Hochgebirge oder kontrollierte Landbelegstelle?
  • Welche Kosten entstehen? Gebühren plus Anfahrt und eventuell Fähre?

Timing und Anmeldung

Gute Belegstellen sind oft schon im Winter ausgebucht. Melde dich früh an, meist über Online-Portale. Beantrage das Gesundheitszeugnis mindestens vier Wochen vor dem Termin. Plane die Königinnenaufzucht so, dass die Königinnen zum richtigen Zeitpunkt schlüpfen.

Der Begattungserfolg hängt stark vom Wetter ab. Kalte und regnerische Perioden können die Begattungsflüge verhindern. Rechne mit einer Erfolgsquote von 80-90 Prozent bei guten Bedingungen.

Informiere dich über Sammeltransporte in deiner Region. Viele Imkervereine organisieren gemeinsame Fahrten zu beliebten Belegstellen. Das spart Kosten und macht mehr Spaß.

Dein nächster Schritt

Suche dir 2-3 Belegstellen aus, die zu deinen Zielen passen. Kontaktiere die Betreiber und frage nach aktuellen Zuchtwerten und Verfügbarkeiten. Besuche wenn möglich eine Belegstelle vor der ersten Buchung. So bekommst du ein Gefühl für die Qualität des Betriebs.

Die richtige Belegstelle zu finden braucht Zeit. Aber sie ist die Basis für jahrelangen Zuchterfolg. Investiere diese Zeit - deine Bienen werden es dir danken.

Über diesen Link findest du anerkannte Belegstellen in deiner Nähe.