Streichholzprobe AFB

Amerikanische Faulbrut bei Bienen: So erkennst du die Seuche

Amerikanische Faulbrut bei Bienen: So erkennst du die Seuche

Die Amerikanische Faulbrut ist der Alptraum jedes Imkers. Diese hochansteckende Bienenkrankheit kann ganze Völker vernichten und breitet sich rasend schnell aus.

Aber keine Panik: Mit dem richtigen Wissen kannst du die Seuche früh erkennen und erfolgreich bekämpfen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Amerikanische Faulbrut?

Die Amerikanische Faulbrut (AFB) ist keine gewöhnliche Bienenkrankheit, sondern eine anzeigepflichtige Seuche. Der Name kommt übrigens nicht daher, dass sie aus Amerika stammt, sondern weil sie dort zuerst wissenschaftlich beschrieben wurde.

Der Bösewicht heißt Paenibacillus larvae – ein Bakterium, das wahre Überlebenskünstler‑Qualitäten hat. Es kann in zwei Formen auftreten: als aktives Bakterium in der Bienenlarve und als widerstandsfähige Spore. Diese Sporen sind das eigentliche Problem, denn sie überleben jahrzehntelang in alten Waben und Honig.

Wie die Seuche deine Völker angreift

Die Infektion beginnt immer gleich: Junge Bienenlarven nehmen die Sporen mit dem Futtersaft auf. Nur die allerjüngsten Larven sind gefährdet – in den ersten 36 Stunden nach dem Schlupf. Schon weniger als zehn Sporen reichen aus, um eine Larve zu töten.

Im Larvendarm keimen die Sporen aus und vermehren sich explosionsartig. Das Bakterium zerstört die Larve vollständig und verwandelt sie in eine braune, schleimige Masse. Aus einer einzigen toten Larve entstehen bis zu einer Milliarde neuer Sporen – eine unvorstellbare Menge.

Die Putzbienen versuchen, die toten Larven zu entfernen, verschleppen dabei aber die Sporen im ganzen Stock. So infizieren sie immer mehr Brut, bis das Volk zusammenbricht. Selbst offene Brutzellen können bereits schwarze Schorfe enthalten, die zungenförmig über den Zellrand ragen.

Symptome sicher erkennen

Ein geschulter Blick aufs Brutnest kann Leben retten. Du musst lernen, die Warnsignale zu deuten, bevor es zu spät ist. Unterscheide dabei unbedingt zwischen unspezifischen Hinweisen (z. B. lückiges Brutbild) und den zwei wirklich spezifischen AFB‑Zeichen: fadenziehende braune Larvenmasse und fest sitzende Schorfe am Zellboden.

Die ersten Anzeichen

Das erste Warnsignal ist ein lückenhaftes Brutnest. Wo normalerweise eine geschlossene Brutfläche sein sollte, siehst du ein löchriges Muster. Allerdings kann das auch andere Ursachen haben – zum Beispiel Varroa‑Milben oder eine schwächelnde Königin.

Viel verdächtiger sind veränderte Zelldeckel. Sie sehen dunkel und fettig aus, sind oft eingesunken und haben kleine Löcher. Manchmal stehen einzelne verdeckelte Brutzellen in bereits ausgeräumten Bereichen – das ist sehr verdächtig.

Der entscheidende Test: Die Streichholz‑ oder Pinzettenprobe

Bei verdächtigen Zellen machst du die Probe. Öffne vorsichtig eine verdeckelte Zelle mit eingesunkenem Deckel. Stecke ein Streichholz oder besser eine Pinzette in die Larvenmasse und ziehe sie langsam heraus.

Wenn sich ein zäher, brauner Faden bildet, der mehrere Zentimeter lang werden kann, ist das ein klares Zeichen für Faulbrut. Die Larve ist komplett aufgelöst und hat die Konsistenz von Honig.

Der Schorf als letztes Zeugnis

Später trocknet die zersetzte Larve zu einem schwarzbraunen Schorf ein. Dieser klebt fest am Zellboden und lässt sich nicht einfach entfernen. Das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Brutkrankheiten.

Nur starker Befall riecht unangenehm – dumpf und faulig. Auf den Geruch allein solltest du dich aber niemals verlassen.

Im Ernstfall richtig handeln

Sofortmaßnahmen am Bienenstand

Greife sofort zum Telefon und melde deinen Verdacht dem Veterinäramt. Das ist gesetzliche Pflicht – Zögern kann empfindliche Bußgelder nach sich ziehen. Notiere dir Namen und Datum des Anrufs.

Bis zur amtlichen Untersuchung darfst du nichts mehr am Stand verändern. Enge alle Fluglöcher stark ein, um Räuberei zu verhindern. Benutze deine Werkzeuge niemals an anderen Völkern und wechsle die Kleidung, bevor du zu anderen Ständen gehst.

Die behördliche Untersuchung

Ein Amtstierarzt oder Bienensachverständiger wird deinen Stand untersuchen. Sei kooperativ und hilf beim Öffnen der Völker. Diese Leute sind deine Partner, nicht deine Gegner.

Der Experte nimmt eine Probe – meist eine ganze Brutwabe – für die Laboruntersuchung. Dein Stand wird sofort gesperrt: Nichts darf rein, nichts darf raus, bis das Ergebnis da ist.

Der Sperrbezirk

Bestätigt das Labor die Faulbrut, richtet die Behörde einen Sperrbezirk mit meist drei Kilometern Radius ein.

Sanierung und Desinfektion

Jetzt beginnt die härteste Phase: Die Völker müssen gerettet und alle Sporen vernichtet werden. Das ist anstrengend, aber machbar.

Früher wurden betroffene Völker oftmals abgetötet. Heute wird die Tötung nur noch angeordnet, wenn ein Volk nicht mehr sanierungsfähig ist oder das Kunstschwarmverfahren keine Aussicht auf Erfolg bietet.

Das Kunstschwarmverfahren

Die Methode der Wahl ist das offene Kunstschwarmverfahren ohne Kellerhaft, damit die Bienen nicht verbrausen.

Feg alle Bienen von den Waben in eine leere Zarge, in der die Königin käfigt sitzt. Die alten Waben werden sofort eingeschmolzen. Dann folgt die entscheidende Hungerphase: 2–3 Tage ohne Futter, während der Schwarm bei offenem Flugloch seinen Mageninhalt verbraucht. Anschließend kommen die Bienen in eine desinfizierte Beute mit frischen Mittelwänden. Jetzt darfst du füttern. Damit der Neustart klappt, sollte der Kunstschwarm mindestens 1,5 kg Bienen (zu Saisonbeginn/‑ende ca. 2,5 kg) umfassen.

Gründliche Desinfektion

Parallel zur Volkssanierung musst du alle Gerätschaften reinigen und desinfizieren. Halte dich an die Desinfektionsrichtlinie (D‑RL) des BMEL und die Anweisungen des Veterinäramts.

Holzbeuten werden abgeflammt oder in Natronlauge gekocht, Metallteile abgekocht. Rähmchen werden in der Regel verbrannt und ersetzt. Trage dabei Handschuhe, Schürze und Schutzbrille.

Vorbeugen ist besser als heilen

Wabenhygiene als Grundstein

Tausche jährlich mindestens ein Drittel deiner Brutwaben aus. Junge Waben bedeuten gesunde Völker. Alte Waben sind Brutstätten für Krankheitserreger und gehören regelmäßig erneuert.

Führe nur starke Völker. Schwache Völker werden leicht Opfer von Räuberei – dem Hauptverbreitungsweg der Faulbrut. Vereinige schwache Völker rechtzeitig oder löse sie auf.

Sichere Futterquellen

Verfüttere niemals fremden Honig! Viele Importhonige enthalten Faulbrutsporen. Verwende nur Zuckerwasser, Sirup oder Honig aus dem eigenen, gesunden Bestand.

Auch beim Zukauf von Völkern ist Vorsicht geboten. Kaufe nur bei vertrauenswürdigen Züchtern mit aktuellen Gesundheitszeugnissen. Gebrauchte Beuten solltest du immer desinfizieren.

Regelmäßige Kontrollen

Lasse regelmäßig Futterkranzproben untersuchen. Sie decken einen Sporenbefall meist auf, bevor überhaupt Symptome auftreten.

Fazit

Die Amerikanische Faulbrut ist eine ernste Bedrohung, aber kein unbesiegbarer Feind. Mit aufmerksamen Augen, schnellem Handeln und der richtigen Technik kannst du deine Völker retten und gesund erhalten.

Denk daran: Eine frühzeitige Meldung und professionelle Sanierung schützen nicht nur deine eigenen Bienen, sondern auch die deiner Imkerkollegen. Gemeinsam können wir die Bienenseuche eindämmen und unsere Völker gesund halten.

Weitere detaillierte Informationen findest du im Praxisleitfaden zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut.