Wachsmotten auf dunkler Wabe
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Rähmchen richtig überwintern: So funktioniert es

Rähmchen richtig überwintern: So funktioniert es

Hast du auch schon einmal im Frühjahr deine Rähmchen aus dem Lager geholt und traurig festgestellt, dass die Wachsmotten alles zerstört haben? Diese kleinen Schädlinge können deinen wertvollen Waben großen Schaden zufügen und dir viel Arbeit bereiten.

Vielleicht denkst du jetzt an Schwefelstreifen oder Essigsäure. Genau da hat sich in den letzten Jahren etwas Grundlegendes geändert: Für die Bekämpfung der Wachsmotte ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit kein einziges chemisches Mittel mehr zugelassen. Viele Ratgeber im Netz sind auf diesem Stand noch nicht angekommen.

Die gute Nachricht: Es geht auch ohne, und zwar zuverlässiger, als die meisten denken. In diesem Beitrag erfährst du, welche Verfahren heute erlaubt und wirksam sind und wie du deine Rähmchen sicher über den Winter bringst.

Inhaltsverzeichnis

Rechtslage 2026: Was ist erlaubt, was nicht?

Fangen wir mit dem Teil an, der die meisten überrascht. Mittel, die Wachsmotten abtöten sollen, gelten rechtlich als Biozidprodukte der Produktart 18 (Insektizide) nach der EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012. Ein solches Produkt darf nur verkauft und angewendet werden, wenn es zugelassen ist oder sein Wirkstoff im europäischen Prüfprogramm für Altwirkstoffe mitläuft.

Und genau das ist bei den klassischen Imkermitteln nicht der Fall. Essigsäure und Schwefeldioxid wurden für die Produktart 18 nie angemeldet. Sie durchlaufen das Prüfverfahren also gar nicht erst, und damit ist auf dieser Basis kein Mittel gegen Wachsmotten verkehrsfähig.

Der aktuelle Stand im Überblick

  • Schwefelstreifen und Schwefeldioxid: keine Zulassung als Biozid gegen Wachsmotten.
  • Essigsäure: keine Zulassung als Biozid gegen Wachsmotten.
  • Ameisensäure: keine Zulassung als Biozid gegen Wachsmotten. Sie ist weiterhin als Tierarzneimittel gegen die Varroamilbe zugelassen, das ist aber ein völlig anderer Rechtsrahmen und erlaubt keine Anwendung an Lagerwaben.
  • B401 und B402 (Bacillus thuringiensis): in Deutschland und in der EU nicht mehr zugelassen und im Handel nicht mehr erhältlich.
  • Paradichlorbenzol (früher als Mottenkugeln im Umlauf): seit Langem verboten. Der Stoff reichert sich im Wachs an und geht in den Honig über. Finger weg, auch von Restbeständen.

Auch die Fachpresse hat das klar formuliert. In bienen&natur 7/2024 heißt es auf Seite 30, dass chemische Mittel wie Essigsäure und Schwefel sowie B401 in Deutschland derzeit keine Zulassung als Biozid haben und deshalb nicht für die Wachsmottenbekämpfung herangezogen werden können. Für die Schweiz stellt Agroscope dasselbe fest.

Was heißt das für dich? Wachsmotten werden heute nicht mehr bekämpft, sondern verhindert. Die vier Bausteine dafür sind: konsequente Wabenauswahl, Kälte, richtige Lagerbedingungen und Wabenhygiene. Alle vier sind erlaubt, rückstandsfrei und in der Praxis wirksamer als jede Begasung. Wie das geht, liest du in den nächsten Abschnitten.

Warum ist die richtige Rähmchenlagerung so wichtig?

Die sorgfältige Lagerung deiner Bienenwaben über den Winter ist ein wichtiger Teil deiner Imkerarbeit. Sie schützt nicht nur dein Material, sondern hilft auch deinen Bienen in der neuen Saison.

Drei große Gefahren für deine Rähmchen

Die größte Gefahr für deine eingelagerten Waben sind Wachsmotten. Dabei fressen sie eigentlich gar nicht das Wachs, sondern den eiweißhaltigen Pollen und die Brutrückstände: Larvenkot und Nymphenhäutchen, die nach dem Schlupf einer Biene in der Zelle bleiben. Auf ihrem Weg dorthin bohren die Larven Gänge durch die Wabe und hinterlassen Kot und Gespinste. Die Waben werden dadurch unbrauchbar.

Genau dieses Fressverhalten ist dein wichtigster Ansatzpunkt. Eine helle, unbebrütete Honigwabe bietet den Larven kaum Nahrung. Eine dunkle Brutwabe ist für sie ein gedeckter Tisch.

Auch Schimmel kann deine Waben zerstören. Er entsteht bei zu viel Feuchtigkeit im Lagerraum oder wenn die Waben nicht richtig abgetrocknet sind.

Die dritte Gefahr sind Nosemasporen. Diese Krankheitserreger können auf den Waben überdauern und im Frühjahr deine Bienen belasten. Verlass dich hier nicht auf die Kältebehandlung, die Wirkung auf Nosemasporen ist unsicher. Bei Verdacht ist das Einschmelzen der sichere Weg.

Gut erhaltene Waben sind für deine Bienen im Frühjahr sehr wertvoll. Sie müssen dann keine Energie für den Neubau aufwenden und können sich schneller entwickeln. Das führt zu stärkeren Völkern und mehr Honig.

Wabenauswahl: die wichtigste Entscheidung

Wenn du nur eine einzige Maßnahme aus diesem Artikel umsetzt, dann diese. Nicht jede Wabe gehört ins Lager. Eine klare Sortierung spart dir mehr Ärger als alles andere.

Diese Waben kannst du einlagern

Am besten eignen sich helle, unbebrütete Honigwaben. Sie sind für Wachsmotten wenig interessant und leicht zu schützen. Helle, nur wenig bebrütete Brutwaben kannst du ebenfalls einlagern, am besten getrennt von den ganz hellen.

Diese Waben gehören in den Wachsschmelzer

Dunkle, stark bebrütete Waben schmilzt du besser sofort ein. Die Kokonreste darin sind für Wachsmottenlarven das ideale Futter, und du verlängerst mit jeder Saison den Rückstandskreislauf im Wachs. Dasselbe gilt für Waben mit viel Pollen und für Waben mit Honigtaurückständen.

Faustregel: Alles, was du im Frühjahr sowieso aussortieren würdest, schmilzt du jetzt ein. Waben, die im Lager stehen und nicht mehr gebraucht werden, sind kein Vorrat, sondern eine Mottenzucht.

Für das Einschmelzen kompletter Rähmchen ohne Ausschneiden findest du bei uns passende Dampfwachsschmelzer vom kleinen Gerät für den Hobbybereich bis zur Berufsimkerlösung. Einen Überblick über alle Geräte rund um die Wachsverarbeitung gibt dir unsere Kategorie Wachs schmelzen

Kältebehandlung: das Mittel der Wahl

Kälte ist heute das Verfahren der ersten Wahl. Sie ist erlaubt, hinterlässt keine Rückstände in Wachs und Honig und erwischt alle Entwicklungsstadien der Wachsmotte, also Eier, Larven, Puppen und Falter.

Die Zahlen, auf die es ankommt

Entscheidend ist nicht die eingestellte Temperatur der Truhe, sondern die Temperatur im Wachs. Die Behandlungszeit beginnt erst, wenn die Wabe diese Temperatur tatsächlich erreicht hat.

Temperatur im Wachs Erforderliche Einwirkzeit
-7 °C 4,5 Stunden
-12 °C 3 Stunden
-15 °C 2 Stunden

Weil eine gefüllte Haushaltstruhe deutlich länger braucht, bis die Wabenmitte durchgekühlt ist, hat sich in der Praxis eine einfache Faustregel etabliert: 24 bis 48 Stunden bei -18 °C. Damit bist du auf der sicheren Seite, auch wenn du mehrere Rähmchen gleichzeitig einlagerst.

Worauf du danach achten musst

Einfrieren desinfiziert nicht dauerhaft. Es tötet ab, was gerade auf der Wabe ist. Sobald die Wabe wieder warm und zugänglich steht, kann ein Falter erneut Eier ablegen. Deshalb gilt: Nach der Kältebehandlung sofort mottendicht einlagern, sonst war die Arbeit umsonst.

Wenn du keine Truhe hast, kannst du die natürliche Winterkälte nutzen. Ein unbeheizter Schuppen mit mehreren Tagen im deutlichen Minusbereich erledigt denselben Job. Verlassen kannst du dich in einem milden Winter darauf allerdings nicht.

Optimale Lagerbedingungen schaffen

Ob deine Waben den Winter heil überstehen, entscheidet sich vor allem am Lagerort. Wachsmotten sind nicht wählerisch, aber sie sind empfindlich gegen Kälte, Zugluft und Licht.

Temperatur

Unter etwa 15 °C entwickeln sich die Larven kaum weiter, unter 10 °C steht die Entwicklung praktisch still. Ziel ist also ein Lagerraum, der dauerhaft unter 10 °C bleibt. In den Wintermonaten schaffst du das in einem unbeheizten Nebengebäude meist ohne Technik. Kritisch sind die Übergangszeiten im Herbst und im zeitigen Frühjahr.

Luftfeuchtigkeit

30 bis 50 Prozent sind ideal, 60 Prozent solltest du nicht dauerhaft überschreiten. Darüber wird Schimmel zum Thema. Ein einfaches Hygrometer im Lagerraum ist die günstigste Versicherung, die du kaufen kannst.

Luft und Licht

Wachsmotten meiden Zugluft und Helligkeit. Stapele die Zargen deshalb nicht luftdicht, sondern so, dass Luft durchziehen kann. Ein Gitterboden unten und ein Gitter oben auf dem Stapel sind die klassische Lösung: Luft kommt durch, Motten und Mäuse nicht.

Mottendicht und mäusesicher

Der Stapel muss oben und unten sauber abschließen. Ein Absperrgitter reicht als Mottensperre nicht aus, die Maschen sind zu grob. Nimm ein feines Gitter oder Fliegengitter. Denke auch an Mäuse, die im Wabenlager erheblichen Schaden anrichten können.

Kontrolliere den Stapel alle zwei bis drei Wochen. Heruntergefallenes Gemüll und feine schwarze Kotkrümel unter dem Stapel sind das erste Warnsignal.

Biologische Verfahren und Nützlinge

Das früher verbreitete B401 auf Basis von Bacillus thuringiensis ist in Deutschland und der EU nicht mehr zugelassen und nicht mehr erhältlich. Dasselbe gilt für das Nachfolgeprodukt B402. Bacillus thuringiensis ist ein Mikroorganismus und fällt damit unter das Biozidrecht.

Anders sieht es bei Nützlingen aus. Schlupfwespen der Gattung Trichogramma parasitieren die Eier der Wachsmotte. Als Makroorganismen unterliegen sie nicht der Biozidverordnung und sind über spezialisierte Anbieter erhältlich. Der Ansatz ist interessant, verlangt aber Planung: Die Wespen müssen wiederholt und zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht werden, und sie wirken nur gegen Eier, nicht gegen bereits vorhandene Larven. Für ein sauber sortiertes, kühles Wabenlager brauchst du sie in der Regel nicht.

Was früher üblich war und heute nicht mehr geht

Wenn du in älteren Imkerbüchern blätterst oder ältere Kolleginnen und Kollegen fragst, wirst du auf drei Verfahren stoßen, die jahrzehntelang zum Standard gehörten. Weil sie noch immer in vielen Online-Ratgebern stehen, ordnen wir sie hier kurz ein.

Schwefelstreifen. Im geschlossenen Zargenturm abgebrannt, entstand Schwefeldioxid, das schwerer als Luft ist und nach unten absank. Wirksam gegen Larven und Falter, nicht gegen Eier, weshalb mehrfach behandelt werden musste. Schwefeldioxid ist für die Biozid-Produktart 18 nicht genehmigt, ein Einsatz gegen Wachsmotten ist damit nicht zulässig.

Essigsäure. Sie verdunstete aus flachen Schalen über dem Wabenstapel und wirkte gegen Eier und Falter sowie gegen Nosemasporen. Larven im Kokon überlebten häufig. Auch Essigsäure ist für die Produktart 18 nicht genehmigt und darf gegen Wachsmotten nicht eingesetzt werden.

Ameisensäure. Sie wurde vor allem von Berufsimkern verdampft. Als Biozid gegen Wachsmotten ist sie nicht zugelassen. Ihre Zulassung als Tierarzneimittel gegen die Varroamilbe ändert daran nichts, denn diese gilt ausschließlich für die Varroabehandlung am Volk.

Paradichlorbenzol. Früher als Mottenkugeln weit verbreitet, heute verboten. Der Stoff löst sich in Fett und Wachs, reichert sich an und geht in den Honig über. Auch alte Restbestände gehören in den Sondermüll, nicht ins Wabenlager.

Der Grund für diese Entwicklung ist übrigens nicht Schikane. Alle diese Stoffe hinterlassen Rückstände in einem Kreislauf, aus dem am Ende ein Lebensmittel entsteht. Wer heute konsequent auf Wabenhygiene und Kälte setzt, hat sauberes Wachs, sauberen Honig und ein gutes Gewissen dazu.

Vorbereitung der Rähmchen für das Frühjahr

Wenn der Frühling naht, geht es an die letzte Kontrolle vor dem Einsatz.

Prüfe alle Waben auf Schäden durch Wachsmotten, Mäuse oder Schimmel. Achte besonders auf die feinen Gespinste der Wachsmotten und auf kleine schwarze Kotkrümel, das sind die sichersten Anzeichen für einen Befall. Beschädigte oder verschimmelte Waben sortierst du aus und schmilzt sie ein.

Waben, die längere Zeit kühl und dunkel standen, lässt du vor dem Einhängen ein paar Stunden bei Raumtemperatur akklimatisieren. Sie sind dann weniger bruchempfindlich.

Und dann gilt: lieber eine Wabe zu viel aussortieren als eine zu wenig. Frischer Naturbau kostet dein Volk zwar Energie, aber eine angefressene oder muffige Wabe kostet dich am Ende mehr.

Häufige Fragen

Darf ich Schwefelstreifen noch gegen Wachsmotten einsetzen?

Nein. Schwefeldioxid ist für die Biozid-Produktart 18 nicht genehmigt, eine Anwendung gegen Wachsmotten ist nicht zulässig.

Wie lange muss ich Waben einfrieren?

In der Praxis 24 bis 48 Stunden bei -18 °C. Die Zeit zählt erst ab dem Moment, in dem das Wachs die Temperatur erreicht hat, deshalb der Sicherheitsaufschlag gegenüber den reinen Labor-Werten.

Bei welcher Temperatur entwickeln sich Wachsmotten nicht mehr?

Unter etwa 15 °C verlangsamt sich die Entwicklung deutlich, unter 10 °C kommt sie praktisch zum Erliegen.

Kann ich Waben in Plastiksäcken oder luftdicht lagern?

Besser nicht. Ohne Luftaustausch steigt das Schimmelrisiko erheblich. Luftig und kühl schlägt luftdicht.

Was mache ich mit bereits befallenen Waben?

Stark befallene Waben schmilzt du ein. Bei leichtem Befall entscheidet die Wabenfarbe: Helle, unbebrütete Waben lassen sich nach einer Kältebehandlung noch retten, dunkle Brutwaben nicht.


Stand: August 2026. Dieser Beitrag gibt den uns bekannten Stand zur Zulassungssituation wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Rechtslage kann sich ändern.