Rähmchenmaße für Anfänger: So findest du das perfekte System für deine Imkerei
Rähmchenmaße für Anfänger: So findest du das perfekte System für deine Imkerei
Die Wahl des richtigen Rähmchenmaßes ist eine der wichtigsten Entscheidungen für jeden Imker. Sie bestimmt deine gesamte Arbeitsweise und beeinflusst, wie viel Kraft du brauchst und wie erfolgreich deine Bienenvölker werden.
In Deutschland und Österreich gibt es drei Hauptsysteme, die sich in Größe, Gewicht und Handhabung deutlich unterscheiden. In diesem Artikel erklären wir dir, welches System zu deinen Zielen passt und worauf du als Anfänger achten solltest.
Lies weiter, um zu erfahren, wie du die richtige Entscheidung für deine Imkerei triffst.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Rähmchenmaße und warum sind sie wichtig?
- Die drei wichtigsten Rähmchensysteme im Überblick
- Deutsch Normalmaß (DNM): Der norddeutsche Klassiker
- Zander: Der flexible Allrounder aus Bayern
- Dadant: Das System für starke Völker
- Langstroth: Der internationale Standard
- Welches System passt zu dir?
- Regionale Unterschiede in Deutschland und Österreich
- Systemwechsel: So geht's richtig
- Fazit: Die richtige Wahl für deine Imkerei
Was sind Rähmchenmaße und warum sind sie wichtig?
Ein Rähmchen ist ein Holzrahmen, in dem die Bienen ihre Waben bauen. Es besteht aus vier Teilen: dem Oberträger, den beiden Seitenleisten und dem Unterträger. Die Größe dieser Rähmchen bestimmt, wie groß deine Waben werden und wie schwer sie sind, wenn sie voller Honig sind.
Die Wahl deines Rähmchenmaßes ist wie die Wahl deines Autos. Du musst dich langfristig festlegen, denn alle Teile deiner Beute müssen zusammenpassen. Einmal gewählt, bestimmt das System deine gesamte Arbeitsweise und die Art, wie du deine Bienen führst.
In Deutschland und Österreich haben sich aus über 200 verschiedenen Maßen drei Hauptsysteme durchgesetzt. Jedes hat seine eigenen Vor- und Nachteile, die du kennen solltest.
Die drei wichtigsten Rähmchensysteme im Überblick
Die Entscheidung zwischen den verschiedenen Systemen hängt von deinen persönlichen Zielen ab. Manche Imker bevorzugen große Rähmchen für starke Völker, andere wählen kleinere für eine leichtere Handhabung.
Hier sind die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
- DNM (Deutsch Normalmaß): 370 x 223 mm, etwa 5 500 Zellen pro Wabe
- Zander: 420 x 220 mm, etwa 6 400 Zellen pro Wabe
- Dadant (US‑Variante): 448 x 285 mm, etwa 8 700 Zellen pro Wabe
Die Größe der Waben beeinflusst direkt, wie deine Bienen leben und wie du arbeitest. Große Waben bedeuten mehr Platz für die Brut, aber auch mehr Gewicht beim Heben.
Deutsch Normalmaß (DNM): Der norddeutsche Klassiker
Das Deutsch Normalmaß wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt, um die vielen verschiedenen Maße zu vereinheitlichen. Es ist vor allem in Nord- und Westdeutschland sehr beliebt und wird oft mit Styroporbeuten verwendet.
Mit DNM arbeitest du meist mit zwei Bruträumen übereinander. Das bedeutet, deine Bienen bauen ihr Nest auf zwei Etagen. Eine volle Honigwabe wiegt etwa 2 Kilogramm – das ist noch gut zu handhaben.
Der Nachteil: Du musst bei der Schwarmkontrolle etwa 20–22 Waben durchsehen. Das kostet Zeit und stört die Bienen mehr als bei größeren Systemen. Für Anfänger ist DNM trotzdem gut geeignet, weil es weit verbreitet ist und du leicht Hilfe findest.
Hinweis: Wer mehr Brutraum in einem einzigen Kasten möchte, kann auf DNM 1,5 (Höhe 300 mm) ausweichen. Für leichte Honigräume werden häufig Flachzargen (ca. 159 mm) oder Halbzargen (ca. 130 mm) eingesetzt. Diese verringern das Hebegewicht deutlich und sind mit dem normalen Brutmaß kombinierbar.
Zander: Der flexible Allrounder aus Bayern
Enoch Zander entwickelte dieses System in Bayern. Es ist etwas größer als DNM und bietet mehr Flexibilität. Du kannst es mit einem oder zwei Bruträumen betreiben, je nachdem, wie stark deine Völker sind.
Zander ist besonders in Süddeutschland und Österreich beliebt. Eine volle Honigwabe wiegt etwa 2,5 Kilogramm. Das System eignet sich sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Imker, die gerne experimentieren.
Der große Vorteil: Du kannst die Größe des Brutnests an deine Völker anpassen. Schwache Völker bekommen weniger Platz, starke Völker mehr. Das macht die Führung der Bienen einfacher und natürlicher.
Hinweis: Eine interessante Mischform ist ZaDant – ein Dadant‑Brutraum mit Zander‑Oberträger (420 mm breit). Außerdem findest du bei vielen Imkern Zander 1,5 (Höhe 285 mm) als Ein‑Brutraum‑Variante. Auch hier sorgen Flach‑ und Halbzargen für leichtere Honigräume.
Dadant: Das System für starke Völker
Charles Dadant entwickelte dieses System für sehr starke Bienenvölker. Der Brutraum ist groß und ungeteilt – wie ein natürlicher Baumstamm. Das gefällt den Bienen und führt zu weniger Schwarmtrieb.
Grundsätzlich unterscheidet man heute zwei Varianten:
- Dadant US (448 × 285 mm): In Deutschland am weitesten verbreitet. Passt in alle gängigen hölzernen oder isolierten Dadant‑Beuten.
- Dadant Blatt (435 × 300 mm): Vor allem in Frankreich, Italien und der Schweiz üblich. Die Rahmen sind etwas schmaler, dafür höher. Beide Varianten sind untereinander nicht kompatibel.
Bei Dadant arbeitest du mit einem großen Brutraum und kleinen Honigräumen. Eine Brutwabe kann bis zu 4 Kilogramm wiegen, aber die Honigzargen sind mit 15–18 Kilogramm deutlich leichter als bei anderen Systemen.
Für die Schwarmkontrolle musst du nur 8–10 große Waben prüfen statt über 20 kleine. Das spart Zeit und stört die Bienen weniger.
Langstroth: Der internationale Standard
Lorenzo Langstroth erfand die moderne Magazinbeute und entdeckte den wichtigen „BeeSpace“. Sein System ist weltweit am weitesten verbreitet und sehr flexibel einsetzbar. Von den Maßen her ähnelt es dem Zander-System.
Der Nachteil in Deutschland: Langstroth ist weniger verbreitet als die anderen Systeme. Du findest schwerer einen Mentor oder Tauschpartner in deiner Nähe. Dafür bekommst du international überall passendes Material.
Welches System passt zu dir?
Die Wahl des richtigen Systems hängt von mehreren Faktoren ab. Als Anfänger solltest du ehrlich zu dir selbst sein und deine Situation realistisch einschätzen.
Stelle dir diese wichtigen Fragen:
- Körperliche Fitness: Kannst du regelmäßig 25–35 Kilogramm heben?
- Lokale Unterstützung: Welches System verwenden andere Imker in deiner Nähe?
- Ziele: Willst du nur wenig Honig für den Eigenverbrauch oder planst du größere Erträge?
Empfehlung für Einsteiger: Wenn Imker in deinem Verein bereits mit Dadant arbeiten, wähle Dadant US. So kannst du Material tauschen, Fragen stellen und profitierst von erprobten Arbeitsabläufen. Ohne Mentor in Reichweite greif lieber auf das regional gängigere DNM oder Zander zurück.
Regionale Unterschiede in Deutschland und Österreich
In Deutschland gibt es ein deutliches Nord‑Süd‑Gefälle bei den Rähmchenmaßen. Im Norden dominiert DNM, oft in Styroporbeuten. Im Süden, besonders in Bayern, ist Zander in Holzbeuten der Standard.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau empfiehlt für Bayern hauptsächlich Zander‑kompatible Systeme wie die Hohenheimer Einfachbeute. In Österreich ist die Situation ähnlich, mit starker Zander‑Verbreitung.
Dadant gewinnt überregional an Beliebtheit, besonders bei Imkern, die eine rationelle Betriebsweise suchen. Es ist jedoch noch nicht so etabliert wie die traditionellen Systeme.
Systemwechsel: So geht's richtig
Ein Systemwechsel ist möglich, aber aufwendig. Die einfachste Methode ist der Kunstschwarm: Du fegst alle Bienen in eine neue Beute und gibst ihnen frische Mittelwände. Das ist hygienisch optimal, aber die Bienen müssen alles neu bauen.
Eleganter ist die Flugling‑Brutling‑Methode. Dabei teilst du dein Volk und lässt einen Teil in der neuen Beute mit frischen Waben arbeiten. Der andere Teil bleibt in der alten Beute, bis die Brut geschlüpft ist.
Plane für einen Systemwechsel mindestens eine Saison ein. Du brauchst Zeit, um die neue Arbeitsweise zu lernen und deine Ausrüstung anzupassen. Überlege dir den Wechsel daher gut – er ist teuer und zeitaufwendig.
Fazit: Die richtige Wahl für deine Imkerei
Es gibt nicht das eine beste Rähmchenmaß. Jedes System hat Vor‑ und Nachteile, die du gegen deine persönlichen Bedürfnisse abwägen musst. DNM und Zander sind anfängerfreundlich und weit verbreitet. Dadant eignet sich für ambitionierte Imker mit starken Völkern. Langstroth ist international sehr beliebt.
Für Anfänger ist die Orientierung am regional verbreiteten System meist die beste Wahl. Du findest leicht Hilfe, kannst Waben tauschen und profitierst von der Erfahrung anderer Imker. Erst wenn du mehr Erfahrung hast, solltest du über einen Systemwechsel nachdenken.
Die wichtigste Regel: Triff deine Entscheidung bewusst und informiert. Egal welches System du wählst – mit der richtigen Betriebsweise und Hingabe wirst du erfolgreich imkern und gesunde, starke Bienenvölker führen können.